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vzbv: Werbung gefährdet die Glaubwürdigkeit von Schulen

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Werbung und Sponsoring an Schulen

Werbung gefährdet die Glaubwürdigkeit von Schulen

Das strikte Verbot von Produktwerbung in und im Umfeld von Schulen hat der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) gefordert. "Wir brauchen ein klares Signal gegen das besorgniserregende Vordringen von Produktwerbung in Schulen"; so vzbv-Vorstand Prof. Dr. Edda Müller. Sie rief die Kultusministerkonferenz auf, durch nationale Standards Werbeaktionen im Umfeld von Schulen Einhalt zu gebieten und klare Regeln für Bildungssponsoring durch Unternehmen zu verabschieden. "Werbung an Schulen ist mit dem öffentlichen Bildungsauftrag nicht vereinbar", so Edda Müller. Die Finanzausstattung und das Bildungsangebot der Schulen dürfe nicht Unternehmen überlassen werden. Dadurch sei die Glaubwürdigkeit der Schulen gefährdet.

Auf einer Tagung "Werbung und Sponsoring in der Schule" präsentierte der vzbv die Ergebnisse einer Studie, die bundesweit die aktuelle Rechtslage und Praxis von Werbung und Sponsoring an Schulen unter die Lupe genommen hat. Untersucht wurde, inwieweit an Deutschlands Schulen der Kommerz Einzug hält – und pädagogische Inhalte dabei in den Hintergrund gedrängt werden. Das Fazit der Studie: Sponsoring mit Imagewerbung ist Alltag an deutschen Schulen und der Unterschied zur reinen Produktwerbung ist in vielen Fällen fließend. "Lehrer machen sich unglaubwürdig, wenn sie im Unterricht gesunde Ernährung predigen und dann einem Süßwarenhersteller als Sponsor eines Schulfestes danken," sagte Helmut Schorlemmer, Gymnasialdirektor in Unna und Autor der Studie.

Der vzbv setzt sich für ein striktes Verbot von direkter Produktwerbung ein und fordert darüber hinaus klare Regeln für ein Sponsoring-Engagement von Unternehmen in Schulen. "Hier bewegen sich die Schulen auf einer Gratwanderung, bei der ein Abrutschen nur durch klare Regeln verhindert werden kann", so Edda Müller. Aufgabe der Schulpolitiker sei es, ernst gemeintes Engagement von Unternehmen zum Wohle der Schüler von reinen Werbeaktivitäten zu trennen. Besonders bedenklich sei, dass auch immer mehr Kindergärten ins Zentrum von Werbeaktivitäten rücken.

Wiederholt hatte der vzbv vor einer Kommerzialisierung der Schulen gewarnt und ist gegen Produktwerbung in Schulen auch juristisch vorgegangen. So hatte sich der vzbv erst vor wenigen Wochen in einem Verfahren gegen den Kekshersteller Bahlsen durchgesetzt. Dabei hatte das Oberlandesgericht Celle die Werbe-Aktion "Sammeln für die Klassenfahrt" wegen des damit verbundenen Gruppen- und Kaufzwangs bei Schülern, Lehrern und Eltern für unzulässig erklärt. Bereits im Jahr 2003 war der vzbv gegen das Unternehmen Kellogg’s wegen seiner Werbeaktion "Kellogg’s Frosties für den Schulsport" vorgegangen. Nach negativen Urteilen in erster und zweiter Instanz liegt das Verfahren nun beim Bundesgerichtshof.

Kernforderungen
Der vzbv rief die Bildungsminister der Länder zu raschem Handeln auf. Die Kernforderungen des vzbv:

  • Bundesweite Standards für Werbung und Sponsoring in Schulen:
    Für den Umgang mit Sponsoring und Werbung müssen bundesweit einheitliche Standards entwickelt werden. Kommerzielle Produktwerbung muss in allen Bundesländern ausnahmslos verboten werden. Um Missbrauch zu vermeiden, sollte ein systematisches Controlling aufgebaut und modellhafte Praxis gefördert werden. Die Fortbildung der Lehrer sollte intensiviert werden.
  • Ausbau der Verbraucherbildung:
    Fehlendes Ernährungswissen, mangelnde finanzielle Allgemeinbildung belegen die Bildungsdefizite jenseits von Deutsch und Mathematik. Die Verbraucherbildung muss in den Unterricht aller Schulen aufgenommen werden. Dabei gehört auch der Umgang mit Werbung auf den Lehrplan aller Schulen.
  • Verbindliche Qualitätsstandards für die Verpflegung in Schulen und Kindergärten
    Theorie im Unterricht und Praxis am Esstisch müssen wieder viel stärker ineinander greifen. Politiker auf Landes- und Kommunalebene müssen für die Verpflegung in Kindergärten und Schulen verbindliche Qualitätsstandards durchsetzen. Grundlage bilden die vom vzbv gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Ernährung und dem Ökologischen Großküchen Service entwickelten Rahmenkriterien für eine zeitgemäße Schulverpflegung.

http://www.vzbv.de/

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4 Kommentare zu vzbv: Werbung gefährdet die Glaubwürdigkeit von Schulen

  1. Schulen sind und waren nie ein werbe- oder gesellschaftsfreier Raum. Rund 7.000 Schülerzeitungen mit 85.000 Schülerzeitungsredakteuren bringen sehr viel Engagement in Ihrer Zeitungsarbeit auf. Die Produktionskosten von durchschnittlich 1.000 Euro werden im Wesentlichen durch Anzeigen aufgebracht. Eltern, Lehrer und Schulleiter verbringen viel Zeit und Aufwand bei der Suche nach Sponsoren für Schulfeste und Projekttage. Je nach Umfang setzen sich die Unternehmen aber auch dort in Szene. Eltern und Lehrkörper vieler Schulen setzen eine Vielzahl von kleinen und großen Projekten um, die ohne Sponsoring oder Marketing nicht zu finanzieren wären.

    Dies haben Politiker aller Parteien erkannt und dem breiten Wunsch nach mehr Freiraum und Eigenverantwortung der Schulen schon einen breiten Ermessenspielraum zugebilligt. Hiervon haben tausende von Schulen Gebrauch gemacht und dieses Rad lässt sich auch heute nicht mehr zurückdrehen. Wer dogmatisch jeden Kommerz von der Schule verbannen will, verkennt die Wirklichkeit. Seit über 50 Jahren gibt es Schülerzeitungen mit Werbung, Weltspartage auch an Schulen, Krankenkassenvertreter an Schulen und an fest jeder Schule Automaten mit Werbung oder Kantinen mit Produktinformationen. Werbung befindet sich in Schulbüchern und an fast jedem Schulartikel. Auch am Schwarzen Brett werden außerschulische Informationen verbreitet. Unsere Nachbarländer wie Polen, Holland, Österreich und Dänemark sind noch weit offener für Schulmarketing, ohne dass es dem Bildungssystem schaden würde. Werbung in Schülerzeitungen und Schulen ist normal und wird als solche wahrgenommen. Es gibt kaum ein Bundesland, in dem das Kultusministerium nicht mit einem Unternehmen große Aktionen durchgeführt hat. So hatte K2 vor Jahren massenweise Sportartikel in hessische Schulen gebracht. Für dass kommerzielle Jugendevent YOU wird an vielen Schulen unter Schirmherrschaft von Bildungsministern geworben. Die Stiftung Lesen führt mit Dutzenden von Mitarbeitern jährlich Dutzende von Unternehmen gestaltete Leseaktionen an Schulen durch. In dem Kuratorium sitzen fast alle relevanten Bildungspolitiker. Tausende von Schulen und Schülerzeitungen, die unser Schulmarketing nutzen, sprechen für sich. Unsere jahrelange Erfahrung hat gezeigt, dass der überwiegende Teil der Eltern, Lehrer, Schüler und Schulleitungen dem Thema auch aus realer Erfahrung sehr offen und sehr pragmatisch gegenüber steht. Da wir auf Vertrauen und langfristige Zusammenarbeit bauen, nehmen wir sehr große Rücksicht bei unserer Arbeit.
    Die Kampagne des Bundesverbandes Verbraucherzentrale (vzbv) wird von hauptamtlichen Mitarbeitern mit öffentlichen Mitteln betrieben. Die Betroffenen wurden nicht gefragt und sehen auch nicht die Probleme, die vom vzbv dargestellt werden. Es wird keine nennenswerte Zahl von Lehrern, Eltern oder Schulleitungen gegen Schulsponsoring ins Feld gezogen, sondern es werden Probleme herbeigeredet, die noch nicht einmal durch Praxisbeispiele belegt werden. Negativbeispiele werden als reine subjektive Bewertungen aufgelistet, ohne dass man sich mit den Aktionen oder den Betroffenen auseinandergesetzt hätte. Selbst das Verbraucherschutzministerium, welches die vzbv-Kampagne finanziert hat, führt über uns Schulwerbemaßnahmen durch.
    Lassen sich Jugendliche in Bussen, Haltestellen, im Fernsehen ganz von Werbung fernhalten? Wer für Werbeverbote ist, sollte auch die Folgen solcher Entscheidungen in Betracht ziehen. Wie würde sich das Angebot bei No-Name-Kinderprodukten verschlechtern? Welche Jugendsendungen mit welcher Qualität würde es noch geben? Wie teuer würden Jugendmagazine ohne Werbung?
    Auf unsere Arbeit hin erhalten wir fast ausschließlich positive Reaktionen. Eltern sparen z.B. bei den kostenlosen Schulheften Geld und die Schüler gehen mit gesponserten Schulheften pfleglicher um. Die Eltern sind für das Engagement der Unternehmen dankbar und für die Schulen und Schüler kommt etwas Positives dabei heraus.
    So zeigt auch eine Emnid-Umfrage, dass 76 Prozent der Eltern kein Problem mit Schulmarketing haben. Die Eltern und Lehrer wissen genau, dass Schulsponsoring und Schulmarketing mehr positive und kaum negative Begleiterscheinungen mit sich bringen. Es wäre schön und verklärt, die Schule von der Außenwelt zu behüten, aber Unternehmen, die sich engagieren, herauszuhalten ist der falsche Weg.

  2. Schulen sind und waren nie ein werbe- oder gesellschaftsfreier Raum. Rund 7.000 Schülerzeitungen mit 85.000 Schülerzeitungsredakteuren bringen sehr viel Engagement in Ihrer Zeitungsarbeit auf. Die Produktionskosten von durchschnittlich 1.000 Euro werden im Wesentlichen durch Anzeigen aufgebracht. Eltern, Lehrer und Schulleiter verbringen viel Zeit und Aufwand bei der Suche nach Sponsoren für Schulfeste und Projekttage. Je nach Umfang setzen sich die Unternehmen aber auch dort in Szene. Eltern und Lehrkörper vieler Schulen setzen eine Vielzahl von kleinen und großen Projekten um, die ohne Sponsoring oder Marketing nicht zu finanzieren wären.

    Dies haben Politiker aller Parteien erkannt und dem breiten Wunsch nach mehr Freiraum und Eigenverantwortung der Schulen schon einen breiten Ermessenspielraum zugebilligt. Hiervon haben tausende von Schulen Gebrauch gemacht und dieses Rad lässt sich auch heute nicht mehr zurückdrehen. Wer dogmatisch jeden Kommerz von der Schule verbannen will, verkennt die Wirklichkeit. Seit über 50 Jahren gibt es Schülerzeitungen mit Werbung, Weltspartage auch an Schulen, Krankenkassenvertreter an Schulen und an fest jeder Schule Automaten mit Werbung oder Kantinen mit Produktinformationen. Werbung befindet sich in Schulbüchern und an fast jedem Schulartikel. Auch am Schwarzen Brett werden außerschulische Informationen verbreitet. Unsere Nachbarländer wie Polen, Holland, Österreich und Dänemark sind noch weit offener für Schulmarketing, ohne dass es dem Bildungssystem schaden würde. Werbung in Schülerzeitungen und Schulen ist normal und wird als solche wahrgenommen. Es gibt kaum ein Bundesland, in dem das Kultusministerium nicht mit einem Unternehmen große Aktionen durchgeführt hat. So hatte K2 vor Jahren massenweise Sportartikel in hessische Schulen gebracht. Für dass kommerzielle Jugendevent YOU wird an vielen Schulen unter Schirmherrschaft von Bildungsministern geworben. Die Stiftung Lesen führt mit Dutzenden von Mitarbeitern jährlich Dutzende von Unternehmen gestaltete Leseaktionen an Schulen durch. In dem Kuratorium sitzen fast alle relevanten Bildungspolitiker. Tausende von Schulen und Schülerzeitungen, die unser Schulmarketing nutzen, sprechen für sich. Unsere jahrelange Erfahrung hat gezeigt, dass der überwiegende Teil der Eltern, Lehrer, Schüler und Schulleitungen dem Thema auch aus realer Erfahrung sehr offen und sehr pragmatisch gegenüber steht. Da wir auf Vertrauen und langfristige Zusammenarbeit bauen, nehmen wir sehr große Rücksicht bei unserer Arbeit.
    Die Kampagne des Bundesverbandes Verbraucherzentrale (vzbv) wird von hauptamtlichen Mitarbeitern mit öffentlichen Mitteln betrieben. Die Betroffenen wurden nicht gefragt und sehen auch nicht die Probleme, die vom vzbv dargestellt werden. Es wird keine nennenswerte Zahl von Lehrern, Eltern oder Schulleitungen gegen Schulsponsoring ins Feld gezogen, sondern es werden Probleme herbeigeredet, die noch nicht einmal durch Praxisbeispiele belegt werden. Negativbeispiele werden als reine subjektive Bewertungen aufgelistet, ohne dass man sich mit den Aktionen oder den Betroffenen auseinandergesetzt hätte. Selbst das Verbraucherschutzministerium, welches die vzbv-Kampagne finanziert hat, führt über uns Schulwerbemaßnahmen durch.
    Lassen sich Jugendliche in Bussen, Haltestellen, im Fernsehen ganz von Werbung fernhalten? Wer für Werbeverbote ist, sollte auch die Folgen solcher Entscheidungen in Betracht ziehen. Wie würde sich das Angebot bei No-Name-Kinderprodukten verschlechtern? Welche Jugendsendungen mit welcher Qualität würde es noch geben? Wie teuer würden Jugendmagazine ohne Werbung?
    Auf unsere Arbeit hin erhalten wir fast ausschließlich positive Reaktionen. Eltern sparen z.B. bei den kostenlosen Schulheften Geld und die Schüler gehen mit gesponserten Schulheften pfleglicher um. Die Eltern sind für das Engagement der Unternehmen dankbar und für die Schulen und Schüler kommt etwas Positives dabei heraus.
    So zeigt auch eine Emnid-Umfrage, dass 76 Prozent der Eltern kein Problem mit Schulmarketing haben. Die Eltern und Lehrer wissen genau, dass Schulsponsoring und Schulmarketing mehr positive und kaum negative Begleiterscheinungen mit sich bringen. Es wäre schön und verklärt, die Schule von der Außenwelt zu behüten, aber Unternehmen, die sich engagieren, herauszuhalten ist der falsche Weg.

  3. Sicherlich ist Ihre Argumentation nicht von der Hand zuweisen.
    Auch die Rechtsprechung geht vereinzelt in eine andere Richtung.

    s.a.:
    Bremer Gericht hält Werbung mit Schulsport-Talern für zulässig
    LG Bremen, Urteil vom 01.07.2004, Az. 12 O 533/03
    Ein Produzent darf mit Sammel-Talern in Cornflakes-Packungen und mit Internetspielen für die Anschaffung von Sportgeräten werben. Ein Unterlassungsanspruch aufgrund von psychologischen Kaufzwang ist nicht gegeben. Auch die Einschaltung eines Vertrauenslehrers nutzt nicht das Vertrauensverhältnis zwischen Schülern und Lehrern aus.

    Aber ME geht hier darum klare gesetzliche Regelungen zu schaffen und dies bietet sicherlich für beide Seiten mehr Sicherheiten für den Rahmen der Zulässigkeit.

  4. Sicherlich ist Ihre Argumentation nicht von der Hand zuweisen.
    Auch die Rechtsprechung geht vereinzelt in eine andere Richtung.

    s.a.:
    Bremer Gericht hält Werbung mit Schulsport-Talern für zulässig
    LG Bremen, Urteil vom 01.07.2004, Az. 12 O 533/03
    Ein Produzent darf mit Sammel-Talern in Cornflakes-Packungen und mit Internetspielen für die Anschaffung von Sportgeräten werben. Ein Unterlassungsanspruch aufgrund von psychologischen Kaufzwang ist nicht gegeben. Auch die Einschaltung eines Vertrauenslehrers nutzt nicht das Vertrauensverhältnis zwischen Schülern und Lehrern aus.

    Aber ME geht hier darum klare gesetzliche Regelungen zu schaffen und dies bietet sicherlich für beide Seiten mehr Sicherheiten für den Rahmen der Zulässigkeit.

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