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Viele Service-Hotlines kassieren schon bei Preisansage gesetzwidrig ab

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Stichprobe bei 0900-Service-Nummern

Viele Servicehotlines mit der Vorwahl 0900 kassieren Anrufer gesetzwidrig schon während der angeblich kostenlosen Preisansage ab. Das zeigt eine Stichprobe , bei der ein Entgelt in zwölf von 25 Fällen zu früh berechnet wurde.

Die Auskunft ist eindeutig: ?Dieser Anruf kostet Sie nach dem Signalton 1,56 Euro je Minute." Doch obwohl Verbraucher Aktuell die Verbindung zur Premium Support Hotline von Toshiba noch vor dem Signalton unterbrach, kassierte die Firma laut Einzelverbindungsnachweis den vollen Minutenpreis. Mit dem gleichen Dreh agierten im Test insgesamt sieben von 25 Hotlines: darunter der Billigflieger Ryan Air (0,62 Euro) und das Anzeigenblättchen Der Heiße Draht (1,99 Euro). Gleich ganz auf die Preisansage aber nicht aufs Entgelt verzichtete die Hotline von Atari Computerspiele (1,24 Euro). Zwar sekundengenau, aber immer noch entgegen Gesetz und eigener Auskunft, rechneten während der Preisansage weitere fünf Kandidaten wie die Kommunikationsprofis von Provider Tele2 und Klarmobil ab. Von den 25 angerufenen Hotlines patzte im Test von Verbraucher Aktuell knapp die Hälfte.

Dabei ist die Gesetzeslage klar. ?Die Preisangaben müssen kostenlos sein und spätestens drei Sekunden vor Beginn der Entgeltpflicht gemacht werden", verlangt die Bundesnetzagentur in Bonn. Damit werde sichergestellt, dass Verbraucher Zeit haben zu entscheiden, ob sie den jeweiligen Mehrwertdienst zum genannten Preis in Anspruch nehmen wollen.

Geradezu perfide sind die Maschen der Hotlines für Anke Kirchner. ?Denn wer kontrolliert auf seiner Telefonrechnung schon jeden Anruf bei einer 0900-Servicehotline daraufhin, ob der Einheitenzähler zu früh zu ticken begonnen hat", moniert die Telekommunikationsexpertin der Verbraucherzentrale NRW. Selbst wer die ungerechtfertigten Entgelte bemerke, werde ?aufgrund der Kleckerbeträge von bis zu 1,99 Euro den Aufwand scheuen, alles penibel zu dokumentieren, um anschließend Widerspruch gegen die Rechnung des Anbieters einzulegen", vermutet Anke Kirchner. Lukrativ hingegen ist der Dreh für die Betreiber der Hotlines. Bei den inzwischen mehr als hunderttausend von der Netzagentur vergebenen 0900-Rufnummern, können so durchaus Millionen Euro ungerechtfertigte Entgelte zusammenkommen.

Damit nicht genug. Zusätzliche Einnahmen verschaffen sich viele Anbieter von 0900-Servicehotlines auch mit nervigen Warteschleifen: wenn der Einheitenzähler nach dem Signalton zwar nicht gesetzwidrig, aber kundenunfreundlich zu ticken beginnt; wenn sich der Anrufer auf eigene Kosten von Musikgedudel oder interaktiven Wählprogrammen traktieren lassen muss. Diese Warteschleifen ?sollten grundsätzlich kostenlos sein" , fordert Telekommunikationsexpertin Kirchner, ganz nach der Devise: ?ohne Leistung ? kein Geld". Erst der Kontakt mit einem Kundenbetreuer berechtige zu ?Mehrwert"- Entgelten. Doch gerade mal jede dritte der 25 Hotlines kam in der Stichprobe von Verbraucher Aktuell der Forderung nach. 17 berechneten bis zu 1,99 Euro je Minute für ihre Warteschleifen. Und es wird noch teurer. Ab dem neuen Jahr greift das neue Telekommunikationsgesetz. Dann dürfen Firmen für ihre 0900-Hotline-Dienste statt zwei bis zu drei Euro pro Minute kassieren.

Minutenpreis während Preisansage: bei Spielehotlines von Take2 Interactives, Anakonda Adventures und Atari, beim Support von Debitel und Toshiba, bei der Beschwerdehotline des Billigfliegers Ryan Air und beim Anzeigen-Blatt Der Heiße Draht.

Sekundengenaues Entgelt während Ansage: beim Service von Debitel-Light, von Web.de, Klarmobil und Tele2 sowie Sabel Notebook Service.

Kostenpflichtige Warteschleife: bei der Spielehotline von Koch Media, der Technikberatung von T-Com, beim Service des Providers GMX, des Handyherstellers Nokia und der Fluggesellschaft Hapag Lloyd Express.

Bis zum Kontakt mit Servicemitarbeiter blieben kostenlos: Panasonic und der Provider 1&1, Softwarefragen zu Produkten von Lexware, Beschwerden beim Hardwarevertreiber Medion und dem Billigflieger L?tur, eine Sorgen- und eine Meerschweinchen-Hotline sowie Fragen zum Wetter im Siebengebirge.

http://www.verbraucherzentrale-nrw.de/UNIQ116645071804158/link276012A.html

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2 Kommentare zu Viele Service-Hotlines kassieren schon bei Preisansage gesetzwidrig ab

  1. 100.000 Beschwerden zum Rufnummernmissbrauch

    Kurth: „Verbraucher nutzen Bundesnetzagentur als Anlaufstelle“

    Die einhunderttausendste schriftliche Beschwerde eines Verbrauchers zum Rufnummernmissbrauch ist jetzt bei der Bundesnetzagentur eingegangen. „Dies zeigt, dass die Bundesnetzagentur als Anlaufstelle für Fragen und Beschwerden zum Thema Rufnummernmissbrauch bekannt ist und von den Verbrauchern angenommen wird“, erklärte Matthias Kurth, Präsident der Bundesnetzagentur.

    Seit dem 15. August 2003 ist die Behörde mit der Umsetzung des Gesetzes zur Bekämpfung des Missbrauchs von (0)190er/(0)900er Mehrwertdiensterufnummern betraut. Seit diesem Zeitpunkt hat sie nunmehr 100.000 schriftliche und zusätzlich eine Vielzahl telefonischer Verbraucheranfragen und Beschwerden über Rufnummernmissbrauch bearbeitet.

    Rufnummernmissbrauch hat verschiedene Erscheinungsformen, z. B. Verstöße gegen die gesetzliche Pflicht zur Preisangabe in der Bewerbung von (0)900er Mehrwertdiensterufnummern und zur Preisansage vor dem jeweiligen Mehrwertdienst, die Verwendung von Dialern in der falschen Rufnummerngasse sowie Rufnummern-Spam. Gelingt es der Bundesnetzagentur durch Auswertung der Verbraucherbeschwerden und – teils umfangreiche – Ermittlungen, Missbrauch aufzuklären, greift sie ein. Diese Maßnahmen (zu finden unter http://www.bundesnetzagentur.de) reichen von Abmahnungen über Rufnummernabschaltungen bis hin zum Verbot der Rechnungslegung und Inkassierung. In allen beklagten Fällen konnte die Bundesnetzagentur ihre rechtlichen Schritte erfolgreich vertreten. Außerdem hat die Bundesnetzagentur in circa 170 Fällen Bußgeldverfahren eingeleitet. Soweit Anhaltspunkte für eine Straftat bestanden, hat sie ihre Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft mitgeteilt, in deren Händen die weitere Verfolgung liegt.

    Daneben bestehen auf internationaler Ebene Kooperationswege zur Verfolgung von Rufnummernmissbrauch sowie die Möglichkeit des Informationsaustauschs mit anderen Regulierungsbehörden.

    Die Bundesnetzagentur verfolgt mit ihren Maßnahmen dabei das Ziel, Missstände, die zu Beschwerden führen, abzustellen. So haben sich im Bereich Dialer im Jahre 2006 ca. 500 Verbraucher beschwert, während es im Vorjahr noch ca. 21.000 waren. Dieser Erfolg ist insbesondere auf die Einführung eines einheitlichen Zustimmungsfensters für Dialer zurückzuführen, welches für Kostentransparenz sorgt.

    Voraussetzung für ein Eingreifen der Bundesnetzagentur ist stets die gesicherte Kenntnis einer rechtswidrigen Nummernnutzung. Um den Missbrauchsfällen nachgehen zu können, ist es auch in Zukunft wichtig, dass sich die betroffenen Verbraucher an die Bundesnetzagentur wenden.

    Hierfür stehen die folgenden Kontaktmöglichkeiten zur Verfügung:

    Für telefonische Anfragen:
    Hotline: 0291 9955-206.

    Anfragen rund um das Missbrauchsgesetz und insbesondere zu Dialern:
    Bundesnetzagentur
    Außenstelle Meschede
    Nördeltstr. 5
    59872 Meschede
    E-Mail: dialer.postfach@bnetza.de

    Anfragen zu Rufnummern-Spam über Telefon, Fax, SMS oder E-Mail:
    Bundesnetzagentur
    Außenstelle Neustadt
    Schütt 13
    67433 Neustadt
    Fax: 0 6321 934-111
    E-Mail: rufnummernspam@bnetza.de

    Weitere Informationen zum Thema Rufnummernmissbrauch stehen auf der Internetseite der Bundesnetzagentur.

  2. Auch ich bin ein Opfer von „Geburtstags-Info“. Dieser tage ergielt ich eine zahlungsaufforderung per E-Mail über € 59.95. Habe die Angelegenheit einem Rechtsanwalt übergeben. Dienstleistugen wurden nie erbracht. Habe mich auch nie dort angemeldet. Nur Kriminelle!

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